Doing Gender im IT‐Design

Doing Gender im IT‐Design – Zur Problematik der (Re‐)Konstruktion von Differenz

Abstract

Dieser Konferenzbeitrag verortet sich als reflexiver, sozialtheoretischer Beitrag in der Tradition der kommunikationswissenschaftlichen Geschlechterforschung [1]. Im Vordergrund des Vortrags soll die Kernfrage stehen, inwiefern durch Formen von „gendersensiblem“ Technologiedesign gewollt oder ungewollt tradierte Differenzkategorien, die innerhalb der Geschlechterforschung größtenteils als überwunden gelten, rekonstruiert und damit gleichzeitig verstärkt werden.

Dabei werden auf theoretischer Ebene klassische Ansätze aus der Techniksoziologie (allen voran Langdon Winners analytisches Konzept der „Politik der Artefakte“[2]) verbunden mit Perspektiven der kommunikationswissenschaftlichen Geschlechterforschung, die aktuell – und in der Auseinandersetzung mit älteren Ansätzen des Gleichheits‐ und Differenzfeminismus – über das handlungstheoretische Konzept des Doing Gender den performativen Charakter und die soziale Konstruktion von Geschlecht in den Vordergrund stellt.
Technologie im Allgemeinen, aber besonders Informations‐ und Kommunikationstechnologie, wird dabei, unter der Prämisse der Co‐Emergenz von Kulturtechniken und Kommunikationstechnologien, als Dimension gesamtgesellschaftlicher Diskurse verstanden.

Vertragen sich die im Call zur Tagung formulierten Ansprüche an geschlechtersensibles Design oder „Woman‐Centered Design“ mit den Forderungen nach sozialer Chancengleichheit unabhängig von der Differenzkategorie Geschlecht? Und muss „Social Shaping“ des Internets nicht enger verbunden mit „Social Shaping“ durch das Internet verstanden werden, wenn Technologie bestimmte Nutzungsund Handlungsoptionen strukturell vorgibt und zugleich durch individuelle und soziale Handlungsweisen geprägt wird? Diesen Fragen werde ich im Rahmen meines Vortrags nachgehen und somit aus gesellschaftswissenschaftlicher Perspektive durch eine reflexive Intervention zu dieser stark anwendungs‐ und praxisorientierten Fachtagung beitragen.


[1] vgl. u.a. Klaus, Elisabeth (2005): Kommunikationswissenschaftliche Geschlechterforschung. Zur Bedeutung der Frauen in den Massenmedien und im Journalismus. Berlin/Münster: LIT Verlag; sowie Lünenborg, Margreth/Maier, Tanja (2013): Gender Media Studies. Konstanz: UVK.

[2] Winner, Langdon (1986): Do Artifacts Have Politics? In: Ders.: The Whale and the Reactor. A Search for Limits in an Age of High Technology. Chicago/London: University of Chicago Press, 19‐39.

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